Kai Pflaume, Liebling aller Schwiegermütter. Mit dem stets grinsenden Ostdeutschen verbindet ein jeder die hirnlose Unterschichtensendung “Nur die Liebe zählt”, die Feigheit und die damit einhergehenden Buhrufe des Publikums, beim “TV Total Turmspringen” nicht vom zehn Meter-Brett gesprungen zu sein (seitdem ist er bei Stefan Raab übrigens nicht mehr im Einsatz) sowie die durchaus sehr lustige Sendung “Die Comedy Fall” – nur eben von der Moderation abgesehen. Der liebe Kai zählt laut Umfragen zu den beliebtesten Moderatoren Deutschlands. Warum das so ist, wird mir wohl für immer verborgen bleiben wie die Frage, warum Oli Geissen überhaupt noch vor Kameras darf und wer zu verantworten hat, dass dieser Typ über die Mattscheibe flimmert. Nun gut.
Jetzt darf Pflaume seit geraumer Zeit Fußballsendungen bei Sat.1 moderieren. Und nicht irgendwelche unterklassigen Ligen, nein, den UEFA-Pokal, zweithöchstes Vereinsturnier Europas. Ich als Teil des Publikums komme mir da leicht verarscht vor, wenn der Spezialist für verschwundene Väter oder romantische Liebesbotschaften mir glaubhaft erklären will, welche Faktoren im Spiel Bayern Münchens für das Aus gegen Zenith Sankt Petersburg verantwortlich waren. Das ist in etwa so, als berichte Angela Merkel live von der Wahl zur Miss Universum. Wie aber müssen sich erst die Fußballspieler und Verantwortliche vorkommen, wenn sie der liebe Kai zum Interview vors Mikro bittet? Wohlgemerkt, im Hinterkopf kreisen Begriffe wie “Nur die Liebe zählt”. Wie sollen ein Hitzfeld oder ein Hoeneß den neuen Sat.1 Starfußballmoderator ernst nehmen? “Ja Herr Hitzfeld, ich habe da noch eine Überraschung für Sie – hier ist ihr lange verschollen geglaubtes Meerschweinchen!” Zum Fußball gehört ein Fußballjournalist mit einem gewissen Standing, kein seichter Entertainer. Fußball hat auch so hohe Quoten.
Jetzt wünsche ich mir den 1. FC Köln in den UEFA-Cup. Alleine die Interviewkonstellation Pflaume-Daum muss unterhaltsamer als das beste Spiel sein. Bis dahin habe ich nur einen Wunsch, eine Bitte: Trainer Deutschlands, lasst dämliche Fragen unkommentiert, geht einfach vom Mikro weg. Antwortet auf Fragen nach der Aufstellung einfach mal, ihr hättet keinn Spieler benachteiligen wollen und von jedem Buchstaben des Alphabets einen Nachnamen rausgesucht. Irgendwas. Fußball in Deutschland geht sowieso den Bach runter, die Glaubwürdigkeit leidet – und das dank Moderatoren wie dem lieben Kai in rasend großen Schritten.
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