Ganz Österreich brüllt ein Wort. Cordoba. Es schallt einstimmig aus den österreichischen Kehlen, wie geistesgestört wird es in TV-Kameras gebrüllt. Der Sieg gegen die Deutschen vor 30 Jahren wird ausgeschlachtet, zig Artikel, ob Fan, Food oder Non-Food werden mit Cordoba vermarktet. Ein ganzes Land klammert sich an einen Strohhalm und will ein Wunder wahr machen. Schließlich gebe es massig Anzeichen, fast auf den Tag genau vor 30 Jahren warf die Alpenrepublik den großen Bruder aus dem WM-Turnier im argentinichen Cordoba. Am kommenden Montag soll das wiederholt werden, diesmal daheim, im Wiener Ernst-Happel-Stadion, im Rücken die Unterstützung eines Großteils der knapp 8,3 Millionen Österreicher.
Wären da nicht die Fakten. Der Gegner ist eine deutsche Mannschaft, so gut wie seit vielen Jahren nicht mehr. Eine deutsche Mannschaft, die den Titelgewinn als Ziel ausgegeben hat, die alles daran setzen wird, dies auch zu erreichen. Eine Mannschaft, die mit dem fünften Rang schlappe 88 Pätze vor Österreich in der FIFA-Weltrangliste steht. Löws Team ist bereit, Österreich zu überrollen. Die Niederlage gegen Kroatien war schließlich nur ein Ausrutscher, alles andere als eingeplant.
Doch die rechnerische Aussicht Österreichs, doch noch die Gruppenphase überstehen zu können, hat auch eine - selbst für die deutschen Fans - positive Seite: Endlich herrscht in Österreich auch EM-Stimmung. Wo tagelang tote Hose war und meist nur Fans anderer Nationen gefeiert haben, tummeln sich jetzt endlich auch die Einheimischen. Euphorisch greifen sie nach dem so nah scheinenden, aber doch so fernen Strohhalm. Immer mit einem Wort auf den Lippen. Cordoba. Aber auch nach dem Spiel gegen die Deutschen am Montag wird der Name der argentinischen Stadt nur mit einem Ereignis vor 30 Jahren verknüpft bleiben. Cordoba bleibt Vergangenheit.
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